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Bildungswerk

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Allgemein

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Meldungen der Erzdiözese

Die St. Peter und Paul Kirche in Hilzingen, ein Kleinod

Quelle: Fr. Dr. C. Mutschler

Viele Leute kommen wegen der herrlichen Landschaft und der schönen Berge in den Hegau. Nicht wenige aber besuchen gezielt die Barockkirche von Hilzingen. Das künstlerische Kleinod mitten im alten Hegaudorf hat es ihnen angetan.

Wenn es wahr ist, dass schöne Erlebnisse den Menschen tiefer ansprechen, und wenn alles Schöne letztlich ein Geschenk Gottes ist, dann kann wohl auch die Atmosphäre einer barocken Dorfkirche zu einem religiösen Erlebnis werden.

Der eigentliche Eckstein und das Fundament, auf dem jede Kirche erbaut ist, ist und bleibt Jesus Christus! Dieses theologische Wissen begleitet uns auch heute. Der Kirchenbau ist eigentlich nie vollendet. Nicht nur, weil immer wieder Reparaturen fällig sind...  Das Haus aus Stein ist nur ein Bild für das geistige Haus, zu dem wir uns als lebendige Steine auferbauen lassen, schreibt der Apostel Petrus (l Petr2,5). Gemeinde bauen können wir nur, wenn wir auf Jesus Christus schauen, wenn wir sein Wort hören, wenn wir verankert sind in ihm (d.h. »glauben«), wenn wir uns mühen, ihm. nachzufolgen, wenn wir sein Evangelium zur Richtschnur unseres Handelns machen.

Das 250-jährige Jubiläum will nicht nur geschichtliche Erinnerung sein. Es ist ein Anruf Gottes an uns, diesen Bau aus Stein mit Leben zu erfüllen und vom Altar aus Gemeinde zu bauen!

Pfarrer Julius Schmitt in: "250 Jahre - Peter Thumb und die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Hilzingen"

Der Baumeister

Quelle: SE Hilzingen

Allgemein gilt als Baumeister der Hilzinger Kirche Peter Thumb aus Bezau in Vorarlberg. Im Bregenzerwald hatte zu seiner Zeit die „Auer Zunft“ bedeutende Baumeister: so sein Vater Michael Thumb und sein Schwiegervater Franz Beer. Peter Thumb, 1681 geboren, heiratete Anna Maria Beer und zog 1725 in das zentraler gelegene Konstanz, wo er Ratsherr und Münsterbaumeister wurde. Seine Bauten variierten zwischen dem „Vorarlberger Münsterschema“ und dem Saalkirchentypus.

Peter Thumb hat zahlreiche Sakralbauten geschaffen: Waldkirch und Mundelfingen in der Baar, St. Peter im Schwarzwald und St. Ulrich, St. Gallen und Tiengen und fast gleichzeitig mit Hilzingen die Birnau; im damaligen Gebiet der Diözese Straßburg sowohl Ebersmünster als auch Ettenheimmünster. Seine Handschrift zeigt sich auch bei Umbauten, so in St. Trudpert, Friedenweiler und Günterstal. Seine Bedeutung liegt weniger in der Originalität; vielmehr ließ er den Malern, Stuckateuren und Bildhauern die Möglichkeit offen, „dem Bau ein Rokokokleid zu verpassen“. Gerühmt wird seine grundsolide, pünktliche und preiswerte Arbeit. Nach einem arbeitsreichen Leben starb Peter Thumb im Jahr 1766.

Pfarrer Bernhard Adlers Bericht "St. Peter und Paul, Hilzingen - Kirche des Monats Oktober 2005" auf www.erzbistum-freiburg.de"

Der Bau

Quelle: Gemeinde Hilzingen

Unter den Petershausener Äbten Alfons Strobel und Michael Sauter entstand das stattliche Gotteshaus in kurzer Zeit: Grundsteinlegung war im Juli 1747, Kirchweihe am 17. November 1749 und schon 1753 war auch die Innenausstattung vollendet. Peter Thumb wählte für die neue Kirche den Saalkirchentypus. Das Äußere ist einfach gestaltet. Fein gegliedert ist die Fassade, aus der der wohlproportionierte 46 Meter hohe Turm zu einem Drittel herausragt. Das Innere besticht durch seine Klarheit: das sechsachsige Kirchenschiff ist vor der Chorwand korbbogenähnlich ausgeweitet und schafft so Raum für vier Nebenaltäre, die den Blick zum Hochaltar hin lenken. Dieser ist mit seinem Viersäulenaufbau der eindeutige Mittelpunkt. Die mächtigen Statuen der Patrone Petrus und Paulus sind vergrößerte Kopien der seit 1885 nach Eisental gegebenen Originale.

Peter Thumb hatte einen qualitätsvollen Mitarbeiterstab. Als Maler engagierte er Benedikt Gambs. Von ihm stammt das große Altarbild mit der Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel. Auch das Bild der Dreifaltigkeit darüber stammt von ihm. Benedikt Gambs verdanken wir auch alle Deckengemälde: Im Chor die so genannte  „Apostelkommunion“, in den Zwickeln Vorbilder aus dem Alten Bund. Im Kirchenschiff zunächst das Deckenbild mit dem Hl. Ildefons (606 – 667), der Erzbischof von Toledo und Benediktiner war; es folgt das mächtige Bild vom Tod und der Glorie des hl. Benedikt. Das Bild über der Orgel zeigt König Heinrich II. und seine Frau Kunigunde bei der Übertragung des Klosters vom Hohentwiel nach Stein am Rhein 1005. Die zahlreichen Zwickelbilder an der Decke des Kirchenschiffs zeigen Allegorien von den Tugenden und den damals bekannten Erdteilen. Nach dem frühen Tod von Benedikt Gambs 1751 übernahm Franz Ludwig Herrmann die Gemälde der Nebenaltäre: in der rechten Seitenkapelle das Martyrium des hl. Vitus, gegenüber die Mantelteilung des hl. Martin. Am rechten Chorbogen wiederum der hl. Benedikt mit den Statuen der Äbte Placidus und Maurus; links im Chorbogen der Marienaltar mit der hl. Familie und den Statuen der Pestpatrone Sebastian und Rochus. Die Statuen wie auch das Chorgestühl mit den schönen Intarsien, Kanzel und Bankwangen werden Matthias Faller vom Fallengrund bei Gütenbach zugeschrieben. Großen Einfluss auf den Gesamteindruck hat das Werk von Johann Georg Gigl, der als Stuckateur alle fünf Altäre mit Stuckmarmor versah und auch die Pilaster schuf.

Ein schöner Orgelprospekt mit Schmiedegitter gibt der Kirche über der Empore einen gediegenen Abschluss. Die Hilzinger Kirche Peter und Paul, weithin in der Substanz der Bauzeit erhalten, ist ein beachtliches Beispiel der Kunst und der Baufreudigkeit im 18. Jahrhundert. So ist verständlich, dass sie immer wieder die schönste Barock-Dorfkirche Deutschlands genannt wird.

Pfarrer Bernhard Adlers Bericht "St. Peter und Paul, Hilzingen - Kirche des Monats Oktober 2005" auf www.erzbistum-freiburg.de"

Der Vitusaltar

Im rechten Seitenaltar ist ein grausiges Geschehen, die Folterung des Heiligen Vitus (auch Veit genannt) in lebhafter Szene geschildert. Schon in der Vorgängerkirche wurde Vitus verehrt.

Vitus lebte im vierten Jahrhundert nach Christus auf der Insel Sizilien. Die Legende berichtet, dass der Sohn des damaligen römischen Kaisers Diokletian an Anfällen mit ruckartigen und unkontrollierten Muskelzuckungen bei fortschreitender Orientierungslosigkeit, der sogenannten Fallsucht litt. Vitus heilte ihn. Diokletian, ein gnadenloser Christenverfolger verlangte daraufhin von Vitus, den von ihm verehrten Götzen ein Dankopfer zu bringen. Weil er ablehnte, ordnete der Kaiser die auf dem Altarbild geschilderte Folterung an.

Vitus sitzt nackt in einem Metallkessel, gefüllt mit siedendheißem Öl. Mit einem Holzknüppel drückt ein Soldat die nackte Schulter des Vitus in den Kessel hinunter. Zwei Arbeiter legen Holz in das Feuer unter dem Kessel. Links unten hält ein Soldat mit Helm eine verzweifelte Frau im Schach. Ein zweiter Soldat weist mit dem Finger den Bildbetrachter auf die Geschehnisse hin. Links über der Szene ist Diokletian zu sehen, der mit ernstem Gesicht den Vorgang beobachtet. Vitus, dem eine goldene Götzenfigur vorgehalten wird, wendet sich ab und schaut mit frommer Geste in den Himmel, wo ein Engel ihn mit Palmenzweig und Lorbeerkranz erwartet. Mit dem Geschehen soll seine vorbildliche Standhaftigkeit und Treue zum christlichen Glauben dokumentiert werden.

Der heilige Veit gilt als Schutzheiliger gegen die nach ihm benannte Erkrankung, den Veitstanz. Sein Namenstag ist der 15. Juni.

Dr. Jobst Themel im Pfarrbrief Nr. 7, Ostern 2003